Projektarbeit & Fachgespräch
Ablauf der betrieblichen Projektarbeit
Die betriebliche Projektarbeit ist der praktische Kern von AP2, Teil 2 – zusammen mit Präsentation und Fachgespräch macht dieser Teil 50 % deiner Gesamtnote aus. Der Ablauf gliedert sich grob in fünf Schritte:
- Themenfindung: Du suchst dir gemeinsam mit deinem Betrieb ein reales, abgeschlossenes IT-Projekt aus deinem Arbeitsalltag, das einen klaren Bezug zur Systemintegration hat – also Planung, Umsetzung und Test einer IT-Lösung, nicht nur Routinearbeit oder reiner Support.
- Projektantrag: Du beschreibst das geplante Projekt (Ausgangslage, Ziel, grober Ablauf, geplanter Zeitrahmen) in einem Antrag und reichst ihn bei deiner zuständigen IHK ein. Erst nach Genehmigung darfst du mit der offiziellen Projektzeit beginnen.
- Durchführung: Das eigentliche Projekt wird in einem vorgegebenen Zeitrahmen von maximal 40 Stunden umgesetzt und dabei dokumentiert.
- Dokumentation: Parallel zur Durchführung entsteht die schriftliche Projektdokumentation, die dein Vorgehen, deine Entscheidungen und das Ergebnis nachvollziehbar darstellt.
- Einreichung: Dokumentation und ggf. Anlagen reichst du fristgerecht bei der IHK ein. Danach folgen Präsentation und Fachgespräch vor dem Prüfungsausschuss.
Wähle ein Thema, das du wirklich selbst verantwortet hast – nicht nur begleitet. Prüfer erkennen schnell, ob eigenständige Leistung dahintersteckt, und genau danach wird im Fachgespräch gefragt.
Aufbau einer guten Projektdokumentation
Eine überzeugende Dokumentation folgt einem roten Faden vom Problem zur Lösung. Diese Bausteine sollten enthalten sein:
- Ist-Analyse: Ausgangssituation im Betrieb – welches Problem oder welcher Bedarf bestand, welche technische und organisatorische Umgebung war vorhanden.
- Zieldefinition / Soll-Konzept: Was soll am Ende erreicht sein? Konkrete, überprüfbare Ziele statt vager Absichten, plus die geplante technische Lösung im Überblick.
- Planung: Zeitplanung (z. B. als Balken- oder Tabellenplan), Kostenplanung (Hardware, Software, Lizenzen, Arbeitszeit) und Ressourcenplanung (Personal, Geräte, Zugriffsrechte).
- Durchführung / Umsetzung: Die eigentlichen Arbeitsschritte, wichtige Konfigurationen und Entscheidungen – inklusive Begründung, warum du dich für einen bestimmten Weg entschieden hast.
- Testverfahren / Qualitätssicherung: Wie hast du geprüft, dass die Lösung funktioniert und die Ziele erfüllt? Testfälle, Testprotokolle, Fehlerbehebung.
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Kosten-Nutzen-Abwägung – geplante vs. tatsächliche Kosten, Zeitersparnis, Investitionsschutz oder andere betriebliche Vorteile.
- Fazit / Ausblick: Kurze Bewertung des Ergebnisses, Soll-Ist-Vergleich und mögliche nächste Schritte oder Erweiterungen.
Typische Projektthemen
Gute Projekte aus dem Bereich Systemintegration zeigen Planung, Umsetzung und Test einer konkreten IT-Lösung. Als Ideen dienen zum Beispiel:
- Einführung oder Erneuerung eines Backup-Systems für Server oder Arbeitsplätze
- Migration eines Servers oder Dienstes (z. B. Dateiserver, Mailserver, Virtualisierungsumgebung)
- Einrichtung eines VPN-Zugangs für Homeoffice oder Standortanbindung
- Umbau oder Segmentierung eines Netzwerks inklusive Firewall-Konfiguration
- Aufbau einer Monitoring- oder Patch-Management-Lösung
Das sind nur Beispiele – entscheidend ist immer der konkrete Bezug zu deinem Betrieb und dass du das Projekt eigenständig geplant und umgesetzt hast, nicht die Themenwahl an sich.
Präsentation
Vor dem Fachgespräch stellst du dein Projekt in einer kurzen Präsentation vor. Ein bewährter Aufbau folgt dem Dreischritt Ausgangslage → Lösung → Ergebnis: kurz das Problem skizzieren, deinen Lösungsweg mit den wichtigsten Entscheidungen zeigen und abschließend das erzielte Ergebnis samt Nutzen für den Betrieb präsentieren.
Prüfer achten dabei besonders auf:
- einen klaren roten Faden statt eines bloßen Chronik-Berichts
- eine nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
- erkennbare eigenständige Leistung – was hast du entschieden und umgesetzt?
- angemessenes Zeitmanagement und einen strukturierten, sicheren Vortrag
Fachgespräch
Im Anschluss an die Präsentation folgt das Fachgespräch. Der Prüfungsausschuss stellt dir Verständnisfragen zu deinem Projekt – etwa zu Alternativen, die du verworfen hast, zu Risiken oder zu Details deiner Umsetzung – sowie Fragen zu angrenzendem Fachwissen der Systemintegration, das über dein konkretes Projekt hinausgeht. Präsentation und Fachgespräch dauern zusammen üblicherweise etwa 30 Minuten.
Zur Vorbereitung gilt:
- Kenne dein Projekt in- und auswendig – auch Details, die nicht in der Dokumentation stehen.
- Kannst du jede wichtige Entscheidung begründen? Übe, Alternativen und deren Vor- und Nachteile zu erklären.
- Frische angrenzende Themen der Systemintegration auf (z. B. Netzwerktechnik, Sicherheit, Virtualisierung), falls sie zu deinem Projektthema passen.
Übe dein Fachgespräch laut mit einer anderen Person – am besten deinem Ausbilder. Wer dir kritische Rückfragen stellt, bevor der Prüfungsausschuss es tut, hilft dir, Lücken in deiner Argumentation vorher zu schließen.
Praktische Tipps zur Vorbereitung
- Früh anfangen: Beginne mit der Themenfindung und Antragstellung rechtzeitig, damit genug Zeit für eine saubere Umsetzung bleibt.
- Dokumentation laufend schreiben: Halte Entscheidungen und Arbeitsschritte direkt während der Durchführung fest statt alles am Ende aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
- Wirtschaftlichkeit nachvollziehbar machen: Rechne Kosten und Nutzen so auf, dass ein Außenstehender sie nachvollziehen kann – mit realistischen, belegbaren Zahlen.
- Mit dem Ausbilder abstimmen: Bespreche Thema, Umfang und Zeitplanung frühzeitig mit deinem Ausbilder, um spätere Überraschungen zu vermeiden.
Fristen für Themenanmeldung, genauer Bewertungsschlüssel und weitere formale Details unterscheiden sich je nach zuständiger IHK. Frage diese Modalitäten rechtzeitig direkt bei deiner IHK ab.